Ich liebe es, Geschichten zuzuhören und auch welche zu erzählen. Sind Geschichten doch Nahrung für unsere Seele. Wie auch die Ausübung der TM vornehmlich eine sogenannte «Seelische Dusche» darstellt, so auch Geschichten. Sie erfreuen uns, fesseln uns, faszinieren und lassen uns den Alltag besser zu überstehen.
Wie ich noch als Therapeut in der Drogenstation Carina gearbeitet habe, wollten die Patienten immer dann Abends, wann ich Dienst hatte, Geschichten von mir hören, vor dem zu Bett gehen. Und ich habe erzählt und erzählt … Am meisten haben sie sich an den Geschichten erfreut, wenn sie darin vorgekommen sind.
Und so erzähle ich Ihnen jetzt eine Geschichte, in der Sie auch vorkommen könnten. Sie werden allein entscheiden, ob sie ja sagen. Und dann könnten auch Sie in der Geschichte vorkommen. Nun möchte ich sie aber nicht mehr länger auf die Folter spannen und beginnen.
Eines Tages kam ein 12jähriges Mädchen zu einem Meditationslehrer und sagte, dass sie die transzendentale Meditation erlernen wolle. Sie wurde daraufhin gebeten, doch von ihren Eltern eine schriftliche Bestätigung einzuholen, dass diese auch damit einverstanden seien, was das Kind auch machte. Bis zur Volljährigkeit brauchen Personen das Einverständnis der Eltern. Das Mädchen erlernte nun die TM und meinte, dass es ihr gefalle zu meditieren. Kinder ab dem 10 Lebensjahr können wie Erwachsene im Sitzen meditieren. Kinder ab dem vierten Lebensalter können das meditieren auch erlernen, meditieren aber nicht im Sitzen, sondern beim Spielen. Dafür gibt es auch eine Geschichte, die ich gerne erzählen möchte, dies aber zu einem späteren Zeitpunkt.
Eine Woche später kam das Mädchen wieder und brachte ihre zwei älteren Brüder mit, die auch die TM erlernten. Nicht lange dauerte es, bis auch die Mutter vorbeikam und meditieren lernte. Sogar der Vater kam zum Meditationslehrer und sagte, dass er nicht daran glaubte, dass die Meditation so viel bewirken könne. Er war sehr skeptisch, fast krankhaft skeptisch. Doch auch er erlernte die TM.
Eine Woche später kam die ganze Familie zum Meditationslehrer und sie meditierten gemeinsam. Dann erzählten sie, wie es ihnen gehe und die Wortmeldungen waren durchwegs positiv. Nur der Vater schwieg und schwieg. Endlich nahm er sich aber dann doch das Wort und was er sagte, war recht interessant. Die ganze Familie hörte ihm gespannt zu und er sagte:
«Früher, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, müde und gestresst, erwartete mich zu Hause ein Irrenhaus. Die zwei Burschen stritten, die Tochter sagte, macht doch die Musik leiser, ich muss doch Hausaufgaben machen, die Mutter rief, kommt in die Küche, sonst wird das Essen kalt. Wenn ich heute nach Hause komme, ist se so wunderbar still zu dieser Zeit. Denn die ganze Familie meditiert zu dieser Zeit und ich setze mich dazu und mache mit. Ich glaube immer noch nicht an die grossartigen Resultate der TM, aber sie hat unserer Familie wirklich geholfen.»
Geschichten bleiben mir in Erinnerung und wir merken sie uns leichter. Eine kleine Geschichte noch zum Schluss: Eine wahre Geschichte:
Zufällig kam mir ein altes Buch in die Hände, das von den letzten Worten bedeutender und weniger bedeutenden Menschen handelte. Mich faszinierte aber eine Geschichte von einer Sklavin im Alten Rom, deren letzte Worte waren: Das tut gar nicht weh. Was Johann Wolfang von Goethe zuletzt gesagt haben sollte, war auch in dem Buch vermerkt worden. Das habe ich aber dann vergessen. Nicht das, was die Sklavin sagte. Nun diese Geschichte:
Im Alten Rom wurde ein Senator zum Tode verurteilt, weil er wohl was ungehöriges angestellt hatte. Er solle sich selbst erdolchen, klagte aber seiner Sklavin sein Leid. Er hatte furchtbare Angst davor, dass es ihm sehr, sehr weh tun würde, sich selbst zu erdolchen. Was tat nun die Sklavin aus grosser Liebe zu ihrem Herrn? Sie erdolchte sich selbst und ihr letzten Worte waren: «Es tut gar nicht weh» und verstarb.
Dieses Buch habe ich vor vielen Jahren verschenkt und ich finde es schade. Habe mir aber gesagt, dass ich das Schönste und Wertvollste verschenken sollte und nicht das Zweitbeste. Selten gelingt es mir, das Beste zu verschenken, aber es gelingt mir immer besser.
