Wenn wir die transzendentale Meditation erlernen, erhalten wir passende Atem und Yogaübungen so quasi als Zubehör kostenlos dazu.
Im «Zürcher Oberländer» erschien am 28.12.2018 ein Artikel über Yoga. Die Yogalehrerin Gerda Tobler berichtet über ihre Erfahrungen, die sie in der Strafanstalt Böschwies sieben Jahre lange mit Gefangenen machen konnte. Dort hat sie einmal pro Woche eine Yogastunde angeboten. «Es war für mich berührend, wie sich die Häftlinge im Yoga öffneten, ihre Masken fallen liessen und ihre Panzer weich wurden.» Sie habe bemerkt, wie gut den Häftlingen Yoga und die dazugehörige Lehre getan hätten, das Fokussieren auf sich selbst, das Leben in der Gegenwart. «Das Ziel war, sich klarer zu sehen, herausfinden, wer man ist und freier zu werden.»
In der offenen Strafanstalt Saxerriet wird seit vielen Jahren regelmässig mit Insassen und auch mit dem Personal Yoga praktiziert. Einmal in der Woche finden sich Interessierte nach Arbeitsschluss in ihrer Freizeit zum Üben ein. Die Methode des „Hatha Yoga“ setzt vornehmlich beim Körper an, wobei bestimmte Körperstellungen und Bewegungsübungen praktiziert werden. Wörtlich übersetzt bedeutet Hatha „gewaltsame Anstrengung, intensives Bemühen“. Hierbei gehen wir bis zu unserer Schmerzgrenze, ohne jedoch ins Schwitzen zu kommen. Immer setzen wir nur 50 % unserer Kraft ein und sind nach Yoga nicht wie beim Leistungssport bald müde sondern mit Energie aufgeladen.
Wann immer wir uns in einer Krise befinden wirkt Yoga stabilisierend und ausgleichend. Unsere Gedanken werden klarer und Verspannungen und Stress können sich sanft lösen. Yoga kann sowohl in der Gruppe als auch für sich allein ausgeübt werden. Es geht vor allem darum, sich selbst aushalten zu lernen. Im Yoga sind wir gänzlich auf uns zurückgeworfen.
Unser Körper kann im Hatha-Yoga als ein Geschenk und als Freund gesehen werden. Nur durch ihn sind wir überhaupt in der Lage, Erfahrungen zu machen. Wir brauchen unseren Körper als Behausung für Seele und Geist. Wenn wir unser Körpergefühl verlieren, verliert der Geist alle Anhaltspunkte und die Gefühlsebene verkümmert. Dann verlieren wir das Gefühl, wer wir sind. Gerade suchtkranke Menschen machen eine solche Erfahrung, Erleiden immer wieder starken Suchtdruck, der sich in ihrem Kopf lokalisieren lässt. Fachleute haben dafür einen schwer auszusprechenden Namen gefunden, nämlich das sogenannte «Craving». Es verfolgt den Suchtabhängigen, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen und plagt ihn immerfort. Auch noch nach jahrelanger erfolgreicher Abstinenz von Drogen. Solange, bis er seine Sucht wieder befriedigt. In der Suchtbehandlung werden nun aber Wege aufgezeigt, die das Suchtverlangen mindern bzw. abstellen können. Hierzu bietet Yoga eine wunderbare Möglichkeit, ins Körpergefühl zu kommen. Den eigenen Körper wahrnehmen können, sich aushalten lernen, bei sich sein dürfen. Kommen wir ins Körpergefühl, befreit uns dies von Suchtgedanken ganz spontan und wir erleben uns freier von Spannungen, Druck und Leid.
Für welche Personen ist Yoga geeignet?
„Jeder kann mit der Praxis des Yoga beginnen“.
Dieser Satz ist einem alten Quellentext des Yoga entnommen. Gleichgültig, ob man jung, im mittleren oder fortgeschrittenen Alter ist, sogar wenn man krank oder schwach ist – jeder kann mit der Praxis beginnen.
Andererseits wird eine Übungspraxis nur dann Erfolge zeigen, wenn wir sie über einen langen Zeitraum ohne Unterbrechung beibehalten. Dann aber ist der Gewinn durch Yoga besonders:
Auswirkungen von Yoga
- Gesundheit und innere Ausgeglichenheit
- Mehr Beweglichkeit, Vitalität und Kraft
- Mehr Atemvolumen und Entwicklung eines „langen Atems“
- Geringere Anfälligkeit für Krankheiten
- Abbau von Verspannungen und Schmerzen
- Aufschub oder Vermeidung der üblichen Altersbeschwerden
- Lebensqualität und geistige Flexibilität bis ins hohe Alter
- Mehr innere Ruhe
- Geistige Klärung und Bewusstwerden von schädigendem Verhalten
- Mehr Selbstbewusstsein, Sicherheit und Selbstvertrauen
- Ermutigung zu mehr Selbstverantwortung und Eigeninitiative
- Mehr Lebensfreude
- Mehr Wohlbefinden
- Mehr Energie
Die Tradition des Yoga
Yoga heisst „die Zügel in die Hand nehmen“
Das Wort Yoga geht auf die indogermanische Wurzel „yuj“ zurück. „Yuj“ bedeutet anschirren und zusammenführen von zwei oder mehreren Pferden vor einen (Streit-)Wagen, aber auch zusammenbinden, anjochen oder ins Joch spannen. Das Bild des Joches als Sinnbild des Yoga ist früher sehr verbreitet gewesen. Gerne wurde auf die enge Wortverwandtschaft von „Yoga“ und dem deutschen Wort „Joch“, dem französischen „joug“, dem spanischen „yogo“ oder dem lateinischen „iugum“ verwiesen.
Der berühmte französische Indologie Jean Varenne zieht jedoch inzwischen die Übersetzung „Gespann“ vor. Warum, wird klar, wenn man etwas über den historischen Hintergrund dieses Begriffes erfährt.
Indien ist seit ungefähr 1500 vor Christus in weiten Teilen von Indoariern erobert worden, die ihre Kriegszüge und Eroberungen mit Streitwagen machten, die von edlen Rössern gezogen wurden. Es erforderte Kraft und Geschicklichkeit, die Hengste zu bändigen und sie vor einem Wagen anzuschirren.
Neben der Kunst, Streitwagen zu lenken, das Schwert zu führen und mit Pfeil und Bogen zu schiessen, brachten die Eroberer eine Art der Geistesdisziplin mit, die sie Yoga nannten. Sie zeigte Methoden auf, die unruhigen und „wilden Rösser der fünf Sinne“ zu zügeln, vor den Wagen zu spannen, der den Körper symbolisiert. Wagenlenker ist der Geist, der bestimmt, wohin sich der Körper und die Sinne bewegen sollen.
Was ist Yoga
Yoga ist eine Methode. Unter Yoga versteht der Inder das Streben, vermittels systematischer Schulung des Körpers und Geistes auf dem Weg innerer Sammlung durch unmittelbares Schauen und Erleben die erlösende Erkenntnis oder die Erlösung selbst zu erlangen.
Wenn es uns gelingt, längere Zeit konzentriert bei einer Sache zu bleiben, wird ein tiefes Eindringen und Verstehen möglich. Wir sind dann in der Lage, uns vollständig mit unserem Tun zu verbinden, und zwar so sehr, dass wir uns selbst darüber vergessen und jedes Gefühl für die Zeit verlieren. Dieser Zustand wird Yoga genannt.
Das Ziel von Yoga
Ein Ziel des Hatha Yoga ist es, unseren Körper zu reinigen und von Blockaden zu befreien, damit die Lebensenergie zirkulieren kann. Dazu dienen vor allem die vielfältigen Yoga-Haltungen (Asanas) und Bewegungsabläufe (Karanas), die immer in Verbindung mit dem Atem geübt werden, aber auch unsere Konzentration beanspruchen. Unser Körper soll gesund sein und sich Wohlbefinden, damit er für uns zu einer Quelle der Lust und der Freude werden kann.
