Ein Sonntagskind kam zur Welt, was dem Teufel gar nicht behagte. Sonntagskinder haben ja eine Menge Glück im Leben und er wollte das Kind verführen. So verwandelte sich der Teufel in ein altes Kräuterweib und begegnete rein zufällig dem Kind im Wald. Dort machte der Teufel ihm ein Angebot, zeigte dem Kind eine Astgabel und fragte, ob es dieselbe wolle. Das Kind meinte, dass es genug Astgabeln hier im Wald geben würde und er sie nicht brauchen könne. Das Weib antwortete darauf, dass dies eine ganz besondere Astgabel sei. Wenn man hindurchblicken würde, würde man sehen, ob der Mensch die Wahrheit sagen würde oder nicht.


Nun sagte das Sonntagskind, dass es diese Astgabel haben wolle. Das Weib sagte aber, dass sie was kosten würde. Die Antwort des Kindes: Ich habe nichts zu geben, nur einen Groschen. Das Kräuterweib meinte aber, dass der Groschen genügen würde. So machten sie den Handel und das Kind ging vergnügt aus dem Wald.


In Zukunft schaute es immer durch die Astgabel um zu sehen, ob die Menschen die Wahrheit sagten. Und die Astgabel verneinte dies durchwegs. So dachte das Kind, dass alle Menschen immer lügen würden und vertraute Niemandem mehr. Es wurde älter, zog sich zurück und vereinsamte zusehends.


Im späten Alter erschien dem Sonntagskind ein Engel. So sagte der alte Mann: „Erscheinst Du mir zum zweiten Mal?“ Der Engel antwortete: „Nein, zum ersten Mal.“ Die alte Frau im Wald warst doch auch Du, meinte das Kind. Der Engel antwortete darauf. „Nein, das war der Teufel.“ Er hat dich reingelegt und dich glauben gemacht, dass alle Menschen lügen. So bist du immer misstrauischer geworden und lebst vereinsamt im Elend ohne geliebte Mitmenschen. Das Kind fragte darauf, woran es dann erkennen hätte können, dass es der Teufel war. Da antwortete der Engel: „Daran, dass der Teufel was für die Astgabel verlangt hat. Wir Engel geben alles umsonst.